Ein Jahr im Amt: Papst Leo XIV. fühlt sich "gesegnet"
Papst Leo XIV. hat bei einem Besuch in Süditalien sein erstes Amtsjubiläum gefeiert. Er fühle sich "gesegnet", sagte das Oberhaupt der Katholiken am Freitag in Pompeji. "Was für ein wunderschöner Tag, so viele Segnungen", sagte der Papst am Marienwallfahrtsort in der süditalienischen Stadt zu den dort versammelten Gläubigen, unter ihnen viele kranke und behinderte Menschen.
Papst Leo XIV. war vor einem Jahr zum Nachfolger seines verstorbenen Vorgängers Franziskus gewählt worden. Zehn Tage später wurde er feierlich ins Amt eingeführt.
Am Freitag versammelten sich tausende Menschen in Pompeji, die auf die Ankunft des Papstes warteten, der mit einem weißen Hubschrauber aus dem nahegelegenen Neapel anreiste. "Ich bin neugierig, den neuen Papst zu sehen", sagte der 68-jährige Salvatore Sica. "Er ist nicht wie Franziskus, der wie ein Bruder oder ein Vater zur Familie gehörte." Leo predige Frieden, "aber ich empfinde ihn als distanziert gegenüber den Menschen", sagte Sica. "Er ist trotzdem ein guter Papst."
Das zurückhaltende Auftreten von Leo XIV. steht im Kontrast zu dem seines Vorgängers Franziskus, der für sein spontanes und manchmal auch aufbrausendes Temperament bekannt war.
Der Besuch in Pompeji fand einen Tag nach dem Treffen des Papstes mit US-Außenminister Marco Rubio im Vatikan statt, bei dem beide nach den jüngsten Spannungen zwischen Leo und US-Präsident Donald Trump wegen des Iran-Kriegs ihre Gemeinsamkeiten betonten.
Trump hatte wütend auf Friedensaufrufe des aus den USA stammenden Kirchenoberhauptes reagiert und ihm vorgeworfen, sich mit einem Land gemein zu machen, "das eine Atomwaffe will". Leo XIV. bezeichnete in der Vergangenheit zudem den Umgang mit Migranten in den Vereinigten Staaten als "äußerst respektlos" und forderte einen "menschlichen" Umgang.
Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni, die dem Papst im Streit mit Trump den Rücken gestärkt hatte, dankte Leo XIV. am Freitag für seine "unermüdliche Botschaft des Glaubens, der Hoffnung, des Friedens". In diesen komplexen und unsicheren Zeiten sei seine Stimme nicht nur für Christen "ein Bezugspunkt auf globaler Ebene", schrieb Meloni auf X.
H.Moser--NWT