2025 erneut deutlich mehr antimuslimische Vorfälle registriert als im Vorjahr
Die Zahl der registrierten antimuslimischen Vorfälle in Deutschland hat im vergangenen Jahr erneut deutlich zugenommen. Das zeigt ein bundesweites zivilgesellschaftliches Lagebild, das am Mittwoch in Berlin von der Organisation Claim vorgestellt wurde. Demnach wurden 2025 bundesweit 4096 solcher Fälle dokumentiert, 2024 waren es 3080 gewesen.
Unter den registrierten Vorfällen sind laut dem Lagebild Diskriminierungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen sowie Gewalttaten. 2025 seien auch zwei Tötungsdelikte erfasst worden, außerdem 214 Körperverletzungen, darunter vier versuchte Tötungen (2024: 198 Fälle).
Die Gesamtzahl entspricht etwa elf antimuslimischen Vorfällen pro Tag. In 64,5 Prozent der Fälle, in denen das Geschlecht erfasst wurde, seien Frauen betroffen. In 61 Fällen gab es Angriffe auf Moscheen.
Das Lagebild stützt sich den Angaben zufolge auf Informationen von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie Initiativen aus 15 Bundesländern (2024: 26 Einrichtungen aus 13 Bundesländern). Berücksichtigt wurden auch die bundesweiten Fallzahlen der politisch motivierten Kriminalität, Polizeipressemitteilungen, Angaben über ein eigenes Meldeportal sowie Medienberichte.
Claim geht davon aus, dass der Anstieg der registrierten Fälle zumindest auch auf eine bessere Erfassung zurückgeht. Andererseits wird auf eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte aus dem Jahr 2024 verwiesen, wonach in Deutschland nur vier Prozent der Betroffenen eine erlebte Diskriminierung melden würden. Claim geht daher davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Vorfälle deutlich höher ist als die der registrierten Fälle.
"Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen in Deutschland Alltag", erklärte die Ko-Geschäftsführerin von Claim, Rima Hanano. Als Beispiele genannt werden neben den schweren Gewalttaten zahlreiche Vorfälle auf der Straße oder im Wohn- oder Arbeitsumfeld, etwa Beleidigungen auf der Straße oder Versuche, Mädchen ihr Kopftuch herunterzureißen. Auch im Umgang mit Behörden gebe es rassistische Vorfälle, hieß es.
"Rassismuserfahrungen zerstören Vertrauen in Politik und Institutionen. Sie verstärken das Gefühl, nicht dazuzugehören", warnte Hanano. Trotzdem werde die Existenz von antimuslimischem Rassismus immer häufiger geleugnet. "Zunehmend entsteht der Eindruck, dass muslimische Menschen in der öffentlichen Debatte vor allem als Täter vorkommen dürfen – nicht aber als Betroffene von Ausgrenzung und Gewalt", kritisierte die Claim-Geschäftsführerin.
Häufig stehen antimuslimische Vorfälle laut dem Lagebild in Verbindung mit gesellschaftlichen und politischen Debatten über Migration, Asyl, Integration und Sicherheit. Dabei könne ein Teil der Fälle dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet werden.
Claim fordert eine zügige Neuauflage des Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus, wie dies auch im Koalitionsvertrag vorgesehen sei. Das zivilgesellschaftliche Monitoring zu antimuslimischen Vorfällen finanziell besser abgesichert werden, so wie dies bei Fällen von Antisemitismus oder Antiziganismus bereits der Fall sei. Weiter verlangt werden eine bessere staatliche Erfassung und Aufklärung sowie eine effektivere Strafverfolgung antimuslimischer Hasskriminalität.
P.Lehner--NWT