Zehntausende demonstrieren in London gegen Rechtsextremismus
In London haben am Samstag zehntausende Menschen gegen zunehmenden Rechtsextremismus protestiert. Die Demonstrierenden hielten Plakate mit Aufschriften wie "Nein zum Rassismus" oder "Ihr könnt uns nicht spalten" und zogen durch das Stadtzentrum zum Parlament, wo im Anschluss eine Kundgebung stattfand. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 50.000. Organisiert wurde der Protestmarsch von hunderten Gruppen, darunter Gewerkschaften, Anti-Rassismus-Aktivisten und muslimische Organisationen.
Die Kundgebung mit dem Namen "Together Alliance" (Bündnis Gemeinsam) wurde als die größte Demonstration der britischen Geschichte gegen Rechtsextremismus angekündigt. Sie fand nach einer der größten rechtsextremen Demonstrationen in Großbritannien im vergangenen September statt.
Damals hatte der rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson bis zu 150.000 Demonstranten mobilisiert. Bei der Kundgebung kam es zu Gewalt, mehrere Polizisten wurden verletzt. Robinson plant für Mitte Mai eine weitere Kundgebung.
Zur Demonstration am Samstag waren Menschen aller Altersgruppen aus dem ganzen Land in die Hauptstadt gekommen. "Es herrscht ein vergiftetes Klima, und Großbritannien tut nichts dagegen", sagte die 23-jährige Studentin und Teilnehmerin Emily Roth der Nachrichtenagentur AFP. "Wir erleben jeden Tag rassistische Vorfälle, und es wird nichts dagegen unternommen. Die Regierung ist besessen von der Einwanderung, aber das ist nicht unser größtes Problem", fügte sie hinzu.
In weniger als sechs Wochen finden in Großbritannien wichtige Wahlen statt. Anfang Mai werden das schottische und das walisische Parlament sowie mehrere Gemeinderäte gewählt. Es wird erwartet, dass die einwanderungsfeindliche Partei Reform UK von Nigel Farage, die seit mehr als einem Jahr in den Umfragen führt, dabei gut abschneidet.
Der aus Bath angereiste 48-jährige Demonstrant Robert Gadwick zeigte sich gegenüber AFP besorgt angesichts des Aufstiegs der Partei. "Wir haben das schon beim Brexit erlebt - es sind dieselben Lügen, und dennoch entscheiden sich manche Menschen, ihnen zu glauben." Eine Stimme für Reform UK sei "eine Stimme für mehr Chaos und Unsicherheit, und mehr Chaos können wir wirklich nicht gebrauchen", betonte er.
D.Steiner--NWT