Polen stuft Brand in Starlink-Station als "Sabotage" und Teil "hybrider Kriegsführung" ein
Ein Brand in einer Anlage des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink in Polen ist nach Angaben der polnischen Regierung durch "Sabotage" ausgelöst worden und möglicherweise Teil der "hybriden Kriegsführung" Russlands. Durch das Feuer sei "der Internet-Zugang für verschiedene Institutionen gestört worden, einschließlich der ukrainischen Armee", sagte der polnische Digitalminister Krzysztof Gawkowski am Donnerstag dem Sender TVP Info. Vergangene Woche hatte Regierungschef Donald Tusk vor Moskaus hybrider Kriegsführung gegen Unterstützer der Ukraine gewarnt.
Der Brand war am Mittwochabend in der Anlage in Zentralpolen ausgebrochen, die Station war demnach weiter einsatzfähig. "Diese Sabotage war absichtlich so konzipiert, um die Station außer Betrieb zu setzen", sagte Gawkowski und fügte mit Blick auf Russland hinzu: "Es gibt viele Hinweise darauf, dass wir es mit einem Teil der nächsten Phase der hybriden Kriegsführung zu tun haben." Die Ermittlungen zur Ursache des Brands dauerten an, betonte er. Viel deute aber auf einen Angriff im Rahmen " der neuen russischen Angriffsdoktrin" hin.
Die Station im Besitz des staatlichen Telekommunikationsunternehmens Exatel wird laut dem Minister unter anderem dazu genutzt, Internetdatenverkehr durch Polen und auch in die Ukraine zu leiten. Außerdem wird sie von den SpaceX-Systemen genutzt, die über Starlink-Terminals eine Internetverbindung bereitstellen.
Starlink wird vom Raumfahrtunternehmen SpaceX des US-Tech-Multimilliardärs Elon Musk betrieben und spielt für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte eine wichtige Rolle. Auch die russische Armee hatte Starlink-Terminals etwa für Drohnenangriffe genutzt. SpaceX hatte jedoch im Februar Maßnahmen ergriffen, um die nicht autorisierte russische Nutzung zu unterbinden. Experten zufolge trugen die daraus entstandenen Kommunikationsprobleme zur Schwächung der russischen Armee an der Front bei.
Das Nato- und EU-Mitglied Polen hat Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 schon mehrfach "Sabotage" vorgeworfen. Polen ist der wichtigste Umschlagplatz für westliche militärische und humanitäre Hilfe für die Ukraine. Das Land grenzt unter anderem an die russische Exklave Kaliningrad, das mit Russland verbündete Belarus und an die Ukraine.
Vor einer Woche hatte Polens Regierungschef Tusk vor hybriden Angriffen Russlands mit Drohnen oder sogar Raketen auf Verbündete der Ukraine gewarnt. "Der russische Plan" umfasse nach Geheimdienstinformationen "hybride Angriffe" auf Länder, welche die von Russland angegriffene Ukraine unterstützen, sagte Tusk am Donnerstag vergangener Woche im Parlament in Warschau. Dies betreffe auch Polen.
Es bestehe ein "reales Risiko", dass Drohnen auf das Gebiet eines oder mehrerer Nato-Staaten an der Ostflanke des Verteidigungsbündnisses stürzten, sagte Tusk. Ziel Russlands sei es, den Zusammenhalt innerhalb der Nato zu schwächen.
In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Drohnenvorfälle in insbesondere osteuropäischen Nato-Ländern gegeben. Aber auch die baltischen Staaten melden regelmäßig ähnliche Vorfälle. Unter anderem stürzten im Mai zwei aus Russland kommende Drohnen in Lettland ab.
In Deutschland war Anfang August am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. In ihrer Nähe befanden sich ukrainische Frachtflugzeuge. Die Bundesregierung macht Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich und kündigte die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie des russischen Kulturzentrums in Berlin an. Der russische Außenminister Sergej Lawrow beschuldigte Berlin daraufhin, "wieder Krieg" gegen Russland zu wollen.
Der dänische Geheimdienst erklärte derweil, er sehe eine zunehmende Gefahr eines russischen Angriffs auf einen östlichen Nato-Staat - dennoch sei ein Einmarsch in einen Mitgliedstaat in den kommenden Monaten "höchst unwahrscheinlich". "Es gibt ein geringes, aber wachsendes Risiko, dass Russland einen begrenzten militärischen Angriff gegen ein oder gegen mehrere Nato-Länder an der Grenze zu Russland ausführen wird", sagte der Leiter des Auslands- und Militärnachrichtendienstes FE, Thomas Ahrenkiel, am Donnerstag. Es sei jedoch "höchst unwahrscheinlich", dass Russland Interesse habe, in einen Mitgliedstaat des transatlantischen Verteidigungsbündnisses einzumarschieren, fügte er hinzu.
Einen begrenzten militärischen Angriff auf einen Nato-Staat inmitten des Ukraine-Kriegs könnte Russland nach FE-Angaben ausführen, um die europäischen Staaten dazu zu bringen, ihre militärischen Ressourcen umzulenken. Dies wäre nach den Worten Ahrenkiels ein "verzweifelter Schritt Russlands", der ebenso wie verstärkte hybride Angriffe "möglicherweise in den kommenden Monaten stattfinden" könnte.
Die militärischen Vorbereitungen auf Seiten Russlands würden allerdings "mehrere Monate Vorbereitung" erfordern, sagte Ahrenkiel. Sie wären demnach "schwer zu verheimlichen".
R.Leitner--NWT