Neues Wiener Tagblatt - Angreifer von Fort Hood: Trump sagt Liveübertragung der Hinrichtung ab

Angreifer von Fort Hood: Trump sagt Liveübertragung der Hinrichtung ab
Angreifer von Fort Hood: Trump sagt Liveübertragung der Hinrichtung ab / Foto: Alex WROBLEWSKI - AFP

Angreifer von Fort Hood: Trump sagt Liveübertragung der Hinrichtung ab

Nach einer Welle der Empörung hat US-Präsident Donald Trump die Liveübertragung einer Hinrichtung abgesagt. Trump erklärte am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social, der zum Tode verurteilte Amokläufer Nidal Hasan werde "wie vorgesehen durch ein Erschießungskommando sterben", die Hinrichtung werde aber "nicht übertragen". In den USA wie international hatte es scharfe Kritik gegeben, nachdem Verteidigungsminister Pete Hegseth den Livestream angekündigt hatte.

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Trump machte deutlich, er selbst hätte die Übertragung der Hinrichtung gut gefunden. Dies "hätte eine starke abschreckende Wirkung haben können, damit die Welt sieht, wie Amerika mit Terroristen und Abschaum wie Hasan umgeht", betonte der Präsident, der ein Befürworter der Todesstrafe ist. Allerdings hätten viele "gutmeinende Menschen" dies nicht sehen wollen, fügte er hinzu.

Selbst in den Reihen von Trumps Republikanern gab es massiven Widerstand gegen den Plan. Unter anderem Vizepräsident JD Vance erklärte, er werde sich die Hinrichtung nicht anschauen, sollte sie live übertragen werden. Auch die katholische Kirche, Menschenrechtsgruppen und die Vereinten Nationen protestierten dagegen. Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnten 80 Prozent der US-Bürgerinnen und Bürger eine Liveübertragung ab.

Der frühere Armeepsychiater Hasan hatte 2009 auf dem texanischen Militärstützpunkt Fort Hood insgesamt 13 Soldaten und Zivilisten erschossen. Er wurde deshalb 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Auch weil Hasan im Rollstuhl sitzt, gab es Befürchtungen, der muslimische US-Bürger palästinensischer Herkunft könne von Islamisten zum "Märtyrer" stilisiert werden.

Solche Vorbehalte äußerte etwa der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Das Video der Hinrichtung durch ein Erschießungskommando des US-Militärs könne "als Rekrutierungsinstrument für zukünftige Terroristen dienen", warnte er. Hasan hatte das Attentat damit begründet, US-Soldaten führten in Afghanistan Krieg gegen Muslime.

Kritiker der geplanten Übertragung reagierten erleichtert auf die Absage: "Kurzzeitig herrscht wieder Vernunft", schrieb der Trump-kritische republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie im Onlinedienst X. "Ein im Fernsehen übertragenes öffentliches Hinrichtungs-Spektakel widerspricht den Werten, für die diese Nation steht", erklärte die demokratische Gouverneurin von New Jersey, Mikie Sherrill.

Andere Demokraten hatten gewarnt, die USA dürfe sich nicht auf die gleiche Stufe wie der Iran und Afghanistan stellen. In den beiden Ländern hatte Amnesty International im vergangenen Jahr insgesamt 17 öffentliche Hinrichtungen gezählt. Die Menschenrechtsorganisation forderte nach Trumps Ankündigung, er müsse "alle Hinrichtungen stoppen". Die Todesstrafe sei "ultimativ grausam, unmenschlich und erniedrigend" sowie ein Verstoß gegen die Menschenrechte.

Das Pentagon wies die Einschätzung zurück, Trump habe seinen umstrittenen Verteidigungsminister zurückgepfiffen. Hegseth, der sich "Kriegsminister" nennt, und Trump seien "völlig einer Meinung", erklärte Pentagon-Sprecher Sean Parnell. Beide hätten vor der Ankündigung des Präsidenten telefoniert.

Hegseth hatte die Liveübertragung der Hinrichtung in der vergangenen Woche angekündigt. Die Menschen müssten begreifen, dass Angriffe wie der Hasans "ernste Folgen" hätten, sagte er.

Die Hinrichtung ist für den 3. Dezember angesetzt. Das Death Penalty Information Center weist darauf hin, dass Hasan das Todesurteil noch durch Bundesgerichte überprüfen lassen kann, was die Exekution theoretisch hinauszögern würde. In den USA wäre es die erste Hinrichtung durch die Armee seit 65 Jahren und die erste durch ein militärisches Erschießungskommando seit 1945.

Trump zufolge sollen Familienangehörige der Opfer Hasans die Exekution persönlich in Fort Hood verfolgen können. "Sie verdienen es, Gerechtigkeit zu erleben", erklärte der 80-Jährige.

J.Stadler--NWT