Investoren und UN fordern internationale Regeln für autonome Waffensysteme
Wenige Tage vor der entscheidenden UN-Konferenz in New York fordern institutionelle Investoren und internationale Organisationen scharfere Grenzen für den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Kriegsführung. Mit einer neuen Erklärung wollen Finanzakteure zeigen, dass die Regulierung von autonomen Waffensystemen nicht nur eine ethische, sondern auch eine finanzielle Notwendigkeit ist.
Wenige Tage vor der Konferenz zur Überprüfung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über bestimmte konventionelle Waffen (CCW) in New York verschärfen institutionelle Investoren und internationale Organisationen die Forderungen nach einer globalen Regulierung autonomer Waffensysteme. Die Debatte um den Einsatz von künstlicher Intelligenz im militärischen Kontext hat sich zu einem drängenden Thema entwickelt, das sowohl ethische als auch finanzielle Implikationen umfasst.
Aldo Bonati, Leiter für Stewardship- und ESG-Netzwerke bei der italienischen Vermögensverwaltungsgesellschaft Etica Sgr, kritisierte die aktuelle Lage scharf. Im Vergleich zu anderen Branchen sei die Regulierung von KI lückenhaft. Er verwies auf das Paradoxon, dass Lebensmittel wie Milch strenger reguliert seien als die Technologie, die in modernen Konflikten zum Einsatz komme. Bonati betonte, dass im Krieg oft die Logik gelte, wer „schmutziger“ agiere, habe Vorteile. Daher sei es unverzichtbar, Grenzen für den Einsatz von KI in Waffen zu setzen.
Der politische Druck nimmt zu, da am 16. November die CCW-Konferenz beginnt. Im September hatte die Gruppe der Regierungsexperten für tödliche autonome Waffensysteme (Laws) erstmals einen Konsens erzielt. Das abschließende Dokument enthält Elemente für ein künftiges Regelwerk und stellt das erste gemeinsame Ergebnis aller 128 Unterzeichnerstaaten dar, darunter auch die USA, Russland und Israel.
Ein Kernpunkt der Einigung ist die Forderung nach einer menschlichen Kontrolle bei der Nutzung autonomer Systeme. Zudem sollen bestimmte Kategorien autonomer Waffen entweder verboten oder streng eingeschränkt werden. Bis Mitte November muss entschieden werden, ob formale Verhandlungen für einen verbindlichen Vertrag aufgenommen werden. Mehr als 70 Staaten haben bereits signalisiert, dass sie bereit sind, basierend auf dem Text der Expertengruppe zu verhandeln.
Mögliche Szenarien reichen von einem streng rechtlich bindenden internationalen Vertrag über weiche Rechtsrahmen wie unverbindliche Leitlinien bis hin zum Scheitern jeglicher Verhandlungen. Im schlimmsten Fall würden die Diskussionen lediglich an eine neue Expertengruppe delegiert, ohne konkrete Ergebnisse.
Neben den diplomatischen Bemühungen übt auch der Finanzsektor Druck aus. Die Investor Statement on Autonomous Weapons, veröffentlicht in Zusammenarbeit mit der Kampagne Stop Killer Robots, wurde bereits von 73 finanziellen Institutionen aus zwölf Ländern und drei Kontinenten unterzeichnet. Das Ziel ist es, vor der UN-Konferenz die Marke von 100 Unterstützern zu erreichen, um eine kritische Masse an verwaltetem Vermögen zu demonstrieren.
Experten weisen darauf hin, dass autonome Waffen nicht nur ethische Fragen aufwerfen, sondern auch erhebliche finanzielle Risiken bergen. Ohne klare rechtliche Rahmenbedingungen ist es schwierig, Haftungsfragen bei Fehlern von Algorithmen zuzuordnen. Dies führt zu Unsicherheit und Volatilität auf den Märkten, da die unkontrollierte Verbreitung dieser Technologien Lieferketten unterbrechen und globale Wirtschaften schädigen kann.
Da viele der zugrunde liegenden Technologien – von fortschrittlichen Chips bis hin zu Algorithmen zur Objekterkennung – zivilen Ursprungs sind und dual-use-fähig, ist die Abgrenzung für Investoren komplex. Bisher fehlen standardisierte Metriken, was dazu führt, dass spezialisierte Tools wie die „Red Flag Due Diligence for Defence Tech“ der Heartland Initiative an Bedeutung gewinnen.
Bonati verglich den ethischen Investor mit einem Landwirt, der langfristige Perspektiven verfolgt und stabile Wurzeln braucht. Klare internationale Normen würden nicht nur rechtliche Sicherheit schaffen, sondern auch kurzfristige, räuberische Marktlogiken eindämmen. Sie würden Transparenz erhöhen und die Rechenschaftspflicht von Unternehmen gegenüber der Zivilgesellschaft stärken.
Die kommende Woche in New York wird daher als entscheidender Wendepunkt gesehen. Ob es gelingt, einen verbindlichen Vertrag auszuhandeln oder nur unverbindliche Richtlinien zu verabschieden, hängt maßgeblich davon ab, wie stark der Druck durch die diplomatische Gemeinschaft und den Finanzsektor wirken kann.
Ch.Kainz--NWT