Eisschnellläufer Maly: "Absolut gar kein Vertrauen mehr"
Eisschnellläufer Felix Maly sieht sich und seine Teamkollegen dem Präsidium der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft zunehmend hilflos ausgesetzt. Der 32-Jährige hofft auf einen Hebel durch das Sportfördergesetz, das noch vor der Sommerpause den Bundestag passieren soll.
"Ich habe absolut gar kein Vertrauen mehr in die DESG-Spitze", sagte der Sportler des ESC Erfurt im SID-Gespräch. Worum es diesmal geht: Langstreckler vom Olympiastützpunkt Erfurt, an dem auch Shootingstar Finn Sonnekalb trainiert, sollen bereits zum Juli nach Inzell wechseln, die Sprinter wiederum nach Berlin. Die DESG um den dominanten Präsidenten Matthias Große, Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin und derzeitigen Allround-Bundestrainerin Claudia Pechstein am Standort Inzell, übt laut Maly abermals massiven Druck aus. Informiert wurden die Sportler demnach am 3. Juni, ohne sportfachliche Begründung.
"Auf die Frage nach den drohenden Konsequenzen wurde auf die Athletenvereinbarung verwiesen. Die wurde im Nachgang mit dem Ultimatum verschickt: Ihr habt jetzt knapp eine Woche Zeit, das zu unterschreiben - sonst steht eure Kaderzugehörigkeit auf dem Spiel", erzählte Maly: "Die Angst ist natürlich da, dass man sofort seinen Kaderstatus verliert und damit seine Existenzgrundlage."
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das für den Sport zuständige Bundeskanzleramt verwiesen auf SID-Anfrage im Kern auf die im Grundgesetz verankerte Verbandsautonomie. "Wir nehmen die geschilderten Sachverhalte ernst und prüfen sie auf mögliche Regelverletzungen", setzte der DOSB hinzu.
Von einer Sprecherin der Sportministerin Christiane Schenderlein (CDU) heißt es ebenfalls, man nehme die Kritik "ernst". Man habe der DESG ferner "keinerlei Vorgaben zur Schließung von Stützpunkten gemacht, auch nicht den Stützpunkt Erfurt bzw. Chemnitz betreffend."
Festgelegt ist allerdings, dass der Status als Olympiastützpunkt bedingt, dass an diesem auch Bundeskaderathleten trainieren. Dies wäre entsprechend nicht mehr der Fall, wenn diese nach Inzell oder Berlin wechseln. Die DESG ließ eine SID-Anfrage zu den Vorwürfen der Sportler, zuerst vorgebracht durch Hendrik Dombek beim MDR, zunächst unbeantwortet.
Maly will sich trotz der Existenzangst und der Tatsache, dass es in der Trainingsgruppe "nur ein Thema" gebe, noch keine Wohnung im oberbayerischen Inzell suchen. Er setzt auf Vermittlung durch die Landesverbände.
Bezüglich der Verbandsautonomie merkt der 32-Jährige an: "Ich finde, der DOSB als Dachverband sollte sich nicht jedes Mal dahinter verstecken. Man sollte seine Athletinnen und Athleten schützen, gerade wenn ein solcher Druck ausgeübt wird. Und wenn es keine Grundlage gibt, um zu handeln, dann muss eine Grundlage - etwa durch das Sportfördergesetz - geschaffen werden."
L.Pichler--NWT