Neues Wiener Tagblatt - Asiatische Airlines leiden besonders unter hohen Kerosinpreisen

Asiatische Airlines leiden besonders unter hohen Kerosinpreisen

Asiatische Airlines leiden besonders unter hohen Kerosinpreisen

Besonders asiatische Airlines haben wegen der stark gestiegenen Kerosinpreise ihre Ticketpreise teils stark erhöht. Mehrere chinesische Fluggesellschaften kündigten höhere Treibstoffzuschläge für Inlandsflüge ab Sonntag an. Taiwans Airlines hoben die Zuschläge für ab Dienstag an. In Nepal verdoppelte die staatliche Ölfirma die Kerosinpreise. Die Lufthansa ist laut Konzernchef Carsten Spohr weniger von den Preissteigerungen betroffen. Ryanair-Chef Michael O'Leary zeigte sich mit Blick auf die Ölpreise zuversichtlich.

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Air China, China Southern und deren Tochtergesellschaft Xiamen Airlines erklärten, dass sie die Zuschläge für Flüge bis zu 800 Kilometern um 60 Yuan (7,57 Euro) und für längere Flüge um 120 Yuan erhöhen werden. Auch Spring Airlines und Juneyao Airlines kündigten Erhöhungen der Treibstoffzuschläge an. Die taiwanische Luftfahrbehörde und das Verkehrsministerium in Taipeh kündigten am Mittwoch Aufschläge an, die Airlines bestätigten, dass deshalb ab dem 7. April die Ticketpreise steigen.

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific hatte ihren Treibstoffzuschlag bereits zum 1. April um 34 Prozent angehoben. Weitere Airlines wie Air France-KLM, Air India, Qantas und SAS erhöhten die Ticketpreise.

Nepal importiert fast seinen gesamten Kraftstoff aus dem benachbarten Indien. "Die einzige Möglichkeit für uns ist es, den Verbrauch zu senken", sagte ein Sprecher des staatlichen Öl-KOnzerns NOC. Der Preisanstieg bei Kerosin könnte sich jedoch auf den wichtigen Tourismus auswirken, sollten sich Flugtickets stark verteuern.

Die Lufthansa hat sich laut Spohr mit Hedging-Verträgen gegen höhere Kerosinpreise gewappnet. "Damit sind über 80 Prozent des Treibstoffbedarfs für dieses Jahr gegen Schwankungen im Ölpreis finanziell abgesichert", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen". "In unserem Modell sichern wir Ölpreis-Schwankungen rollierend auf 24 Monate ab, für das kommende Jahr sind es bereits rund 40 Prozent."

Analysten zufolge haben sich viele Airlines mit Hedging-Kontrakten abgesichert, dennoch könnten die hohen Preise die Margen der Unternehmen beeinträchtigen. Betroffen sind zudem Airlines weltweit. Der brasilianische Verband der Fluggesellschaften (Abear) warnte vor "schwerwiegenden Folgen" der Preissteigerungen für die Airlines im Land, obwohl 80 Prozent des von ihnen verbrauchten Treibstoffs in Brasilien produziert werden. Die Preise folgten dem Weltmarkt, erklärte der Verband.

Kerosinknappheiten gibt es laut Lufthansa-Chef Spohr bislang nicht. Doch sollte der Krieg in Nahost und die Blockade der Straße von Hormus anhalten, "kann das Thema kritisch werden". Sollten Knappheiten auftreten, "zeigen sie sich voraussichtlich zuerst außerhalb Europas", ergänzte Spohr. Die Lufthansa versuche, sich darauf vorzubereiten, doch "auf Langstrecken ist es nur sehr begrenzt möglich, auf dem Hinflug schon Treibstoff für den Rückflug mitzunehmen".

Ryanair-Chef Michael O’Leary zeigte sich überzeugt, dass "die Preise ziemlich schnell wieder sinken". Er sei "optimistisch", dass Kraftstoffe im vierten Quartal des Jahres wieder billiger würden, "wahrscheinlich sogar früher", sagte er der "Wirtschaftswoche". Er könne sich nicht vorstellen, dass die USA und Israel den Iran-Krieg noch lange fortsetzen. Die US-Regierung gerate wegen der hohen Ölpreise "mit Blick auf die Zwischenwahlen im Herbst" selbst unter Druck.

O.Auer--NWT