Trump kündigt höhere Zölle auf Autos aus der EU an - Deutschland besonders stark betroffen
Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten zusätzlichen Einfuhrzölle auf Autos und Lkw aus der EU treffen Deutschland Experten zufolge besonders hart. Die geplante Erhöhung auf 25 Prozent lasse sich als "Beginn eines Wirtschaftskriegs gegen Deutschland" interpretieren, erklärte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer am Samstag. Der deutsche Automobilindustrie-Verband VDA bezeichnete Trumps Ankündigung als "erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen" und rief zur "Deeskalation" auf. Trump begründete die Zollerhöhung mit einer Verletzung des bestehenden Handelsabkommens durch die EU-Staaten - ohne dies jedoch näher zu begründen.
Branchenexperte Dudenhöffer warnte, die zu erwartenden Mehrkosten dürften den Druck auf deutsche Hersteller zur Verlagerung von Automobil-Produktionsstätten aus Deutschland heraus weiter verschärfen. Zwar könnten die starken deutschen Marken einen Teil der Kosten voraussichtlich über Preiserhöhungen an die US-Käufer abwälzen, die Autobauer seien aber unterschiedlich stark betroffen.
Der Leiter des Forschungszentrum CAR in Bochum erklärte, allein für in Deutschland produzierte und in die USA exportierte Neuwagen bedeute die Anhebung der Zölle von bislang 15 auf künftig 25 Prozent eine zusätzliche finanziellen Belastung von rund 2,5 Milliarden Euro pro Jahr - auf dann rund 6,14 Milliarden. Die Maßnahmen ließen sich als gezielt gegen Deutschland gerichtet interpretieren, da die Exporte anderer europäischer Autobauer in die USA "unwesentlich" seien.
Während BMW und Mercedes durch große eigene Werke in den USA über einen gewissen "Zollschutz" verfügten, treffe die Maßnahme Marken ohne eigene US-Fertigung wie Porsche und Audi voll. Dudenhöffer geht daher davon aus, dass die Zollerhöhung entsprechende Pläne für den Bau neuer Werke in den Vereinigten Staaten beschleunigen wird.
Die Präsidentin des Branchenverbands VDA, Hildegard Müller, bezeichnete die drohenden Zusatzkosten für deutsche Hersteller durch die Zölle als "enorm". Wahrscheinlich hätten diese aber auch Auswirkungen auf die Verbraucher in den USA. "Die Autoindustrie ruft beide Seiten dringend zur Deeskalation und zu zügigen Gesprächen auf", erklärte Müller mit Blick auf EU und USA weiter.
US-Präsident Trump hatte am Freitag eine deutliche Erhöhung der Einführzölle auf Fahrzeuge aus der EU angekündigt. "Da die Europäische Union unser vereinbartes Handelsabkommen nicht einhält, werde ich in der kommenden Woche die Zölle für aus der Europäischen Union in die USA eingeführte Pkw und Lkw erhöhen", schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. "Der Zollsatz wird auf 25 Prozent angehoben."
Der US-Präsident machte jedoch keine Angaben dazu, inwiefern die EU seiner Meinung nach gegen das vereinbarte Handelsabkommen verstößt. Bei einer Veranstaltung im US-Bundesstaat Florida warf Trump am Freitagabend (Ortszeit) insbesondere deutschen Autoherstellern wie Mercedes-Benz und BMW vor, US-Bürger über den Tisch zu ziehen.
Trumps Zollankündigung erfolgte, kurz nachdem er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf kritisiert hatte. Trump forderte Merz auf, sich auf die Beendigung des Ukraine-Kriegs zu konzentrieren, anstatt sich in die Angelegenheiten des Iran "einzumischen". Zudem solle Merz "sein marodes Land in Ordnung bringen", hatte der US-Präsident am Donnerstag in Onlinemedien erklärt.
Den Worten des US-Präsidenten waren Äußerungen von Merz zum Iran-Krieg vorausgegangen. "Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung", sagte Merz am Montag mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit dem Iran über eine Beendigung des Krieges, der insbesondere wegen der steigenden Treibstoffpreise globale wirtschaftliche Auswirkungen hat. Zudem äußerte der Kanzler die Ansicht, die USA hätten "offensichtlich keine Strategie" im Iran-Krieg.
G.Winkler--NWT