Neues Wiener Tagblatt - Benzinpreis steigt auf weiteres Allzeithoch - Keine Entspannung am Ölmarkt in Sicht

Benzinpreis steigt auf weiteres Allzeithoch - Keine Entspannung am Ölmarkt in Sicht
Benzinpreis steigt auf weiteres Allzeithoch - Keine Entspannung am Ölmarkt in Sicht / Foto: Thibaud MORITZ - AFP/Archiv

Benzinpreis steigt auf weiteres Allzeithoch - Keine Entspannung am Ölmarkt in Sicht

Der Benzinpreis an den deutschen Tankstellen hat am Wochenende ein weiteres Allzeithoch erreicht. Der Liter Super E10 kostete am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,273 Euro, wie der ADAC in München am Montag angab. Bereits Anfang September hatte der Preis mit 2,215 Euro den vorherigen Höchststand von März 2022 übertroffen. Grund ist vor allem die weitere militärische Eskalation im Nahen Osten und am Persischen Golf.

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Der Preis für Diesel legte ebenfalls weiter zu; er erreichte am Sonntag laut ADAC 2,404 Euro pro Liter. Am Weltmarkt stieg der Preis für Rohöl: Der Kurs für ein Fass der Nordseesorte Brent lag am Montagmorgen bei über 107 Dollar, der für die US-Sorte WTI bei fast 103 Dollar.

Seit Februar dieses Jahres sind die Öl- und Gasmengen auf dem Weltmarkt infolge des im Februar von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieges deutlich verknappt. Zum einen greift Teheran regelmäßig US-Stützpunkte und Energieinfrastruktur in den mit den USA verbündeten Golfstaaten an. Überdies ist die für den Öl- und Gastransport wichtige Straße von Hormus faktisch blockiert.

Auch Russlands Krieg gegen die Ukraine wirkt sich auf die Energiemärkte aus. Als Reaktion auf massive russische Raketen- und Drohnenangriffe greift die Ukraine seit Monaten gezielt Energieinfrastruktur in Russland an und nimmt dabei unter anderem Raffinerien und Öldepots ins Visier. US-Präsident Donald Trump verlangte von Kiew, die Angriffe einzustellen.

Mit der Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer steht zudem eine weitere wichtige Transportroute unter Druck: Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen hatte am Freitag mitgeteilt, die Kontrolle über die Meerenge übernommen zu haben. Zudem schloss Saudi-Arabien, das im Jemen die gegen die Huthis kämpfenden Regierungstruppen unterstützt, vorübergehend die wichtige Ost-West-Pipeline nach Huthi-Drohnenangriffen.

"Die geopolitische Risikoprämie ist mit voller Wucht an den Rohölmarkt zurückgekehrt", erklärte die DZ-Bank-Analystin Linda Yu. Eine baldige Entspannung ist demnach nicht in Sicht. "Solange die Angriffe anhalten und die Straße von Hormus unpassierbar bleibt, dürfte der Ölpreis auf erhöhtem Niveau verharren", erklärte Yu. Wegen der Lage im Roten Meer drohe kurzfristig sogar ein erneuter Preissprung.

Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums betonte, dass die Entwicklung im Nahen Osten "keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit mit Rohöl und Rohölprodukten" habe. Deutschland bezieht demnach weder Öl noch Flüssigerdgas aus der Region, Engpässe seien daher nicht zu erwarten - wohl aber steigende Preise.

"Wir beobachten die Entwicklung mit großer und auch zunehmender Sorge", sagte dazu der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer. Zugleich betonte er, dass die Lösung "am Ende ein Ende der Kampfhandlung und eine Gewährleistung der freien Seeschifffahrt" sei.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bekräftigte ihre Forderung nach einem Preisdeckel für Sprit. "Der Kanzler darf dieses Thema nicht länger aussitzen. Es muss jetzt eine Lösung geben", sagte sie der "Rheinischen Post". "Das Beste wäre die Einführung eines Spritpreisdeckels nach Luxemburger Vorbild."

Die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums zeigte sich hier skeptisch: "Einen Preisdeckel (...) zu beschließen, das ist nicht sehr leicht. Das bedarf sehr viel Voraussetzungen und muss nicht unbedingt positiv sein." Der CDU-Wirtschaftsrat sprach sich gegen staatliche Eingriffe aus. "Immer neue Tankrabatte oder staatliche Preisdeckel" seien keine Lösung, sagte der Generalsekretär der Organisation, Wolfgang Steiger, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Sollte der Wettbewerb nicht funktionieren, müsse das Bundeskartellamt handeln und seine Möglichkeiten ausschöpfen, forderte er stattdessen. Das Kartellamt hatte in der vergangenen Woche erklärten, die Marktprüfung laufe auf Hochtouren. Es sei aber sehr aufwendig, Missbrauch tatsächlich festzustellen.

A.Fuchs--NWT